PULSE


Einige Gedanken zum Multimedia Projekt “PULSE”: Ich gehe mitten hinein in die Fragen, die sich mir gestellt haben, ehe ich die Kamera in die Hand genommen habe. Sie sind weder neu noch besonders. Sie helfen mir dabei, aufmerksamer zu sein. Gewohnheit Was nehme ich wahr, wenn ich denke, daß ich das, was ich sehe, so gut kenne, daß es mich nicht mehr überrascht, weil es mir zur Gewohnheit geworden ist? - Bilder von Vorgängen, deren Kontext mir vielleicht so in Fleisch und Blut übergegangen ist, daß ich sie schon beinah selbst projezieren könnte, wenn ich die Möglichkeit hätte, Projektor zu sein. Automatisch – maschinenhaft. Was denke ich in solchen Momenten? Was fühle ich dabei? Bin ich die Ursache dieses Kontinuums?- Weil ich in der Lage bin, darüber Gedanken anzustellen, die in der Natur längst optimiert sind, im Fluß sozusagen?

PULSE wurde seit 2003 in ständig wechselndenBesetzungen und in neuen Varianten geprobt und aufgeführt:
2004
12- 14.01 - Löwenpalais Berlin
07.04. Kunstverein VAK e.V. DomagkstrasseMünchen
19.04. Pecs Ungarn Medienbiennale
29.10. Kranhalle München - Munich Deus Ex Machine Festival
2005
16.03 Giesinger Bahnhof,München
19.03 Die Bank München

 

 

Die Frage an sich ist wesenhaft. Die Frage also erneut stellen: wieso erkenne ich das Wasser nicht als Wesen, sondern ein Element, das anderen Wesen Platz bietet, allen Wasserlebewesen, nicht nur den größten und besten Räubern unter ihnen? Ja schön und gut! Wasser ist ein merkwürdig widersprüchliches Element. Mal ist es glatt und klar, dann aufgewühlt und trüb. - Es passt sich an und ist doch unerbittlich starr und fest. Es bildet Schichten und ist unterteilt in Schichten. Es fließt, strömt, reißt, wogt, tänzelt, quirlt. Es ist phänomenal, brutal, grausam und lebensspendend. Was ist Wasser? Wir säubern uns damit, trinken es, kochen damit: - wir bestehen zu 80% aus Wasser, die Erde zu 75%. Wir kommen täglich damit in Berührung. Es ist uns längst in Fleisch und Blut übergegangen. Wir denken nicht mehr darüber nach. Wir verwenden es. Es fließt durch uns. Und dann das Feuer, die Atmosphäre, die Erde – das Universum. Alles da – das sehen wir ja klar vor uns. Worum geht’s denn jetzt eigentlich? Die Poesie des Traums Pulse ist ein Traum - ein lyrischer Traum. Es geht dabei zwar auch um die Frage nach dem Alb, nach unseren Ängsten, nach dem was nach uns kommt und wichtiger: was vor uns bereits gewesen ist. Pulse ist dennoch kein Albtraum. Das Wunderbare – dass wir wunderbar sind, dass die Natur ein Wunder ist, trotz all der Grausamkeiten, die täglich vorkommen, steht im Zentrum von Pulse. Bilder sprechen eben nicht immer für sich – weil es da eine Ebene gibt, auf der wir sie mit Worten ergänzen – schnell und gewohnheitsmäßig geschieht das, ohne dass wir darüber nachdenken müssten. Puls sein. Pulse versucht diese Verkrustung aufzubrechen. Eine phantastische Geschichte, erzählt von einem Mund, der von Augen, Ohren und von Gedanken gespeist wird, von Zellen gebaut, deren Information uns nicht bekannt ist. Eine Bild - Codierung, die wir zunächst nicht in Zusammenhang mit unserem eigenen Leben bringen können. Pulse ist ein lyrischer Traum, mit kleinen Dissonanzen, ist eine Frage nach dem Atem. Lassen wir uns also für einige Moment fallen und erkennen, dass unser Sein dem Schnee gleicht, der in der Wärme der Sonne schmilzt.(jo.vossenkuhl ©2005)