Mit:
Sonnleitner, Leebmann, Tichawsky, Vossenkuhl, Mola, Wagner
und den Schülern der
Ludwig-Thoma-Realschule,
Berg am Laim:
Kasberger, Beroual, Sickinger
Regie: Jo Vossenkuhl
Regie-Assistenz: Elisabetta Mola
Licht: Michael Wüst
Bühne: Martina Pape, Zhao Bin
Musik: Marc-T. Fischer
Ein Jahr ist ins Land gegangen. Das war das einzig Normale an diesem Jahr, dass es wieder dahin ging, wo es immer hinzugehen pflegt. Sonst war nichts normal. Feuerkopf mit Wirbelwind Jo Vossenkuhl sorgte dafür, dass der Theaterwahnsinn stoisch weiter betrieben wurde.
Innerhalb eines Jahres hat jetzt die whiteBOX drei Mal Theater produziert. Mit vom Lobe vollen Mund schreiben wir diese Zeilen. War die Promotion-Klammer Fußball-Dada für „Dada ist Rave“ im Juni während der WM noch tief blauäugig, so gab uns aber doch die Maxime, „du hast keine Chance, nutze sie“ recht. Erstmals förderte der Bezirksausschuss Berg am Laim das nun anstehende Stück „Katman“, das am 14. Dezember 2006 Premiere hat.
„Katman“, frei nach Ludwig Tiecks „Der gestiefelte Kater“, von und mit Jo Vossenkuhl, der auch die Regie führt, ist eine Begegnung von professionellen
Schauspielern mit Schülern der Ludwig-Thoma-Schule in Berg am Laim. Das hört sich gut an, im Sinne von Quartierarbeit und Viertelbezogenheit, ist aber ein schweres Stück Arbeit. So arbeitet das Stück nicht nur mit Jugendlichen, es ist auch für Jugendliche – und natürlich ebenso für Erwachsene. Ein Stück Kindermärchen mit Elementen der Jugendkultur, HipHop und Rap. Gleichzeitig aber auch in der Tradition eines Tieck, wo surreal-komödiantisches in der Jetzt-Zeit auftaucht, als hätte sich Comedia del Arte irgendwo Backstage bei einem Teenie-Konzert verlaufen. Das geht, weil diese Comedia del Arte zeitlos ist. Musical-artig mutet die Liebe eines türkischen Jungen zu einem deutschen Mädchen an, der Hanswurst taucht in der Figur eines zerrissenen Gelehrten auf, Sammelleidenschaft und Konsumgier leben in der Hauptfigur des enterbten Gottlieb weiter. Die Macht der Presse und der Industrie steht im Gegensatz zur naiven Gegenkultur der Kids, die als cool-skeptische Beobachter in die Szenerie hinein gezogen werden. Zeitlich, inhaltlich und formal ergibt sich so ein Metaspiel, ein Theater im Theater, ein komisch-märchenhaftes Verwirrspiel von Durchschüssen und Überlagerungen, verpuffenden Chimären. Was ja Komödie immer will: im Vordergrund schon ein Spaß. Aber, wer dahinter blicken will, wird finden.
Jo Vossenkuhl:
Mit ihm trat Ende 2005 ein Theatermaschinist auf den Plan. Musiker, bildender Künstler, Autor und Schauspieler – in mehreren eigenen Köpfen zu Hause, Dampf in allen Gassen produzierend. Mit seinen Truppen inflagranti &
barreĺ und Wittgensteins Horrortrip bereits auf dem Tollwood.